Sportpark Wendenstraße

(Copyright: OpenStreetMap)

Die Tennisanlage ist seit 2019 Bestandteil des sogenannten Sportpark Wendenstraße auf dem Gelände des ehemaligen Stoltenpark. Die Wortschöpfung "Sportpark" ist abgeleitet von der Parksport-Initiative, die in Hamburg bei der Parksportinsel Wilhelmsburg ihren Ausgangspunkt hat.

Die Bezeichnung Sportpark ist gerechtfertigt, weil es neben Tennis einige weitere Sportangebote gibt: Stand Up Paddling, auf einem Multi-Court die Sportarten Fußball, Basketball, Beach-Volleyball und Leichtathletik, eine Indoor-Golf-Anlage sowie einige Outdoor-Fitnessgeräte. Für die Früh-Sportler gibt es Morgenkurse vor Arbeitsbeginn um 7 Uhr als Fitness Workout, für Rücken & Mobility sowie hochintensives Intervalltraining und Yoga.

Alster-Bille-Elbe Grünzug

Der Sportpark Wendenstraße ist Teil eines Großprojektes, welches bereits in den 1990ern ausgedacht wurde: die Schaffung eines Grünzugs von der Alster über die Bille bis zur Elbe - Hamburgs neue grüne Magistrale. Unsere Sportanlage befindet sich auf einem Teilabschnitt, der als Bereich Hochwasserbassin bezeichnet wird.

„Der Bereich am Hochwasserbassin ist ein wichtiger Baustein für die Entwicklung des Alster-Bille-Elbe Grünzugs. Hier soll ein neuer Park geschaffen und eine Brücke über die Bille gebaut werden; und somit stand dieses Gebiet besonders im Fokus von PARKS.
Hier arbeitete PARKS im ersten Jahr zusammen mit dem Betriebssportverband, Kulturelles Neuland e.V., dem Plattenpresswerk Martin Sukale, dem Atelierhaus Bullerdeich, dem Unternehmensverband IG City Süd, der Stadtreinigung Hamburg, mit Künstlerinnen weiterer Atelierhäuser, der Schule Phorms Campus, Stammgästen der Traditionskneipe Deichklause, der Künstlerinnengruppe ZOLLO, HALLO: Radio, der Wohnunterkunft Friesenstraße, der Caritas und weiteren einzelnen Nachbarinnen."

(Quelle: Reflexionsbericht 2019 der Arge HALLO: Park)

„Ziel ist es, eine tragbare Vision für PARKS zu entwickeln, die sowohl lokal spezifisch als auch auf andere Kontexte übertragbar sind. Im Austausch zwischen Nachbarschaften, Politik und Verwaltung sollen neue Formen der Aushandlung im öffentlichen Raum gefunden werden. Ausgehend von dem Verständnis, dass die Nachbarinnen selbst das beste lokale Wissen mitbringen, soll dieses in die langfristige räumliche Planung nachhaltig Eingang finden."

(Quelle: Projektbeschreibung)

Kann der Betrachter auf der obigen Grafik noch den Eindruck gewinnen, die Tennisanlage würde beseitigt und in eine grüne Wiese verwandelt werden, so können wir beruhigt sein - die Tennisanlage bleibt uns erhalten. Allerdings werden vermutlich vier Tennisplätze verschwinden: oben links die Plätze 1 & 2 sowie unten links die Plätze 9 & 14:

(Quelle: BUKEA, Planungsentwurf 2011 [aktuelleres gibt es nicht])

Auf unserem Teilabschnitt sollte die Realisierung des Projektes laut Senatsmitteilung vom 04.02.2020 im Jahr 2023 starten. Im Dezember 2020 teilte das Bezirksamt Mitte allerdings das Jahr 2024 als Starttermin mit. Ab Herbst 2024 wird die Deutsche Bahn die Brücke über der Wendenstraße austauschen; die Bauarbeiten werden bis in die Sommersaison 2025 andauern. In der Bauzeit wird Platz 5 nicht bespielbar sein.

Doch wie kam es überhaupt zu unserer Tennisanlage ?

1978 - Start der Planung

Ein erstes Treffen interessierter Betriebssportgemeinschaften (BSGen) gab es am 19. Januar 1978.

Der Betriebssportverband (BSV) hatte für die Tennissparte ursprünglich eine "Anlage Ascheberg" geplant, doch bot die Stadt nun eine Fläche für 20 Außenplätze plus 3-Feld-Tennishalle an. Die Stadt war sogar bereit, "Bürgschaften für die Sportvereine gegenüber dem jeweiligen Kreditgeber zu übernehmen."

Interessenten zu dem Zeitpunkt waren: Beiersdorf, Blau-Gelb, Colgate-Palmolive, Commerzbank, Dresdner Bank, Electric-Lobster, Gruner & Jahr, Hamburg-Mannheimer, Hamburg-Süd, LZB, Maizena, Mobil-Oil, Neue Heimat, NDR und Winter Diamanten.

Eine erste Kostenschätzung im April 1978 ging von 21 Außenplätzen aus, die pro Platz inklusive Flutlicht DM 69.000 kosten sollten; es wurden schließlich 22 Außenplätze.

Für die Abwicklung sollte sich ursprünglich ein neuer gemeinnütziger Verein bilden, doch wollte die Stadt bereits im April 1978 nur noch "einen Vertrag mit dem bereits bewährten Verband" schließen; die BSGen sollten ihre Verträge mit dem BSV schließen. Es bildete sich ein Verwaltungsausschuss Freizeit- und Tennisanlage ehemaliger Stoltenpark aus Vertretern der beteiligten BSGen mit einer Stimme pro Platz (insgesamt 21 Stimmen; ab 1983 dann 22 Stimmen); der BSV saß mit der 23. Stimme in dem Ausschuss.

Im Jahr 1980 konnten die Tennisspieler auf den Außenplätzen loslegen. Die beteiligten BSGen im Startjahr waren: Blau-Gelb, Dresdner Bank, Gruner & Jahr, Hapag Lloyd, Mobil Pegasus Club, Neue Heimat, Otto Versand, Baubehörde, Lincas, Genossenschafts- und Hypothekenbank.

Hier eine Bildfolge, die zeigt, wie das Gelände vor dem Bau der Tennisanlage (1977), nach dem Bau (1981) und im Jahr 2018 aussah - Bildwechsel nach zwei Sekunden:

(Fotos: Betriebssportverband & Apple Inc.)

2000 - Ein erster Kratzer im Lack

Knapp 20 Jahre ging alles gut. Wollte sich eine BSG zurückziehen, gab es eine andere, die einsprang. Das war auch kein Problem, wenn es nur um einen Platz ging. Nun aber zog sich die BSG Mobil Oil zunächst von zwei Plätzen zurück und Ende 2001 gab sie auch ihren dritten und vierten Platz auf. Die übrigen BSGen und anlagenfremde BSGen nutzten die freien Plätze zum Teil für Punktspiele und es gab einen hohen Betrag an Rücklagen, aus dem die Mindereinnahmen gedeckt werden konnten.

Das ging einige Jahre gut, bis dann der nächste Schlag kam. Es zogen sich zwei BSGen zurück, die zusammen 7 Plätze gepachtet hatten. Es gab einige Zeit Austrittsverhandlungen, bis es eine Einigung gab, die für den Verwaltungsausschuss und den BSV finanziell tragbar war. Im Jahr 2009 hatten wir die Situation, dass vier der ursprünglich 22 Plätze stillgelegt waren. Die folgenden Jahre wurden zunächst 11, dann 10, dann 9 und 2013 nur noch 8 Plätze von den BSGen genutzt. 2016 und 2017 waren es für zwei Jahre wieder 10 Plätze und ab 2018 erneut nur noch 8 Plätze.

In 2009 begab sich der BSV wegen der Verlängerung des Pachtvertrages, der im Jahr 2011 auslaufen sollte, in Gespräche mit der Stadt Hamburg. Der Vertrag wurde um 25 Jahre verlängert und im Jahr 2016 erneut um fünf weitere Jahre verlängert, so dass die Tennisanlage bis 2041 genutzt werden kann. Bislang trugen alle BSGen plus BSV gemeinsam die wirtschaftliche Verantwortung für die Tennisanlage. Aufgrund der zunehmenden Kündigungen durch BSGen drohte das ganze Projekt in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Es wurde ein Schnitt gemacht, bei dem erstens der BSV die Rücklagen der gekündigten BSGen einbehalten durfte, zweitens die noch auf der Anlage ansässigen Gründungs-BSGen ihre Rücklagenanteile ausbezahlt bekamen, drittens der BSV das wirtschaftliche Risiko für die gesamte Anlage übernahm und viertens im Jahr 2012 neue Verträge mit den verbliebenen und neu dazu gekommenen BSGen aufgesetzt wurden.

Durch die überschriebenen Rücklagenanteile hatte der BSV zwar ein finanzielles Polster, doch bis Ende 2016 war das finanzielle Polster nur noch klein. Die Zahl der tennisbegeisterten Betriebssportler ging seit Jahren noch stärker zurück als im Deutschen Tennisbund.

Die Zahl der im DTB organisierten Tennissportler hatte 1994 mit knapp 2,3 Millionen ihren Höhepunkt. Seitdem geht die Zahl jedes Jahr zurück und ist im September 2020 bei 1.366.137 angelangt - das ist weniger als 1981 (rund 1,4 Mio.) und deutlich mehr als 1980 (rund 1,27 Mio.).

Zur Korrektur eines weitverbreiteten Mythos sei an dieser Stelle angemerkt, dass es nie einen Graf-Becker-Stich-Tennis-Boom gegeben hat. Die Zahlen belegen das eindeutig. Ein Tennis-Boom fand in der Zeit von 1970 bis 1984 statt, als die Zahl der DTB-Mitglieder von rund 356.000 auf rund 1,65 Mio stieg. Steffi Graf errang 1984 erste Aufmerksamkeit auf der Profi-Tour, 1986 hatte sie mit acht Turniersiegen ihren  Durchbruch und am 17. August 1987 löste sie schließlich Martina Navratilova als neue Nr. 1 ab. Während Steffi Graf Anlauf nahm, machte Boris Becker einen Kick-Start und erspielte sich 1985 als ungesetzter Spieler, erster Deutscher und jüngster Sieger die Trophäe in Wimbledon. 1989 gewannen beide in Wimbledon die Einzel-Trophäe. Zwei Jahre später hatte dann Michael Stich seinen Durchbruch in Wimbledon, als er auf dem Weg ins Endspiel zunächst den Weltranglistenersten und Titelverteidiger Stefan Edberg besiegte und im Endspiel gegen Boris Becker siegte. Diese phantastische Zeit des deutschen Tennis bewirkte nur eine abgeschwächte Fortführung des Mitgliederzuwachses von 1,65 auf 2,3 Millionen.

Beim BSV war die Tennissparte von 1989 bis 1998 die mitgliederstärkste Sportsparte. Bis 2017 folgte dann ein dramatischer Rückgang der Mitgliederzahlen - von rund 12.150 Mitgliedern in 1989 über rund 9.840 in 1998 bis schließlich rund 1.800 in 2017. Ein Jahr später stieg die Zahl auf rund 2.400 und stagniert seitdem.

2017 - Es geht wieder aufwärts

Ab diesem Jahr vollzieht sich eine Wende. Die 13 Plätze hinter der Tennishalle werden mit einer computergesteuerten Beregnungsanlage modernisiert und viele Plätze erhalten eine Grundliniensanierung. Das war zwar eine teure Investition, aber sie lohnte sich. Die Zahl der Tennisspieler steigt seit 2017 und der BSV erzielt bei der Vermietung seiner Plätze eine zunehmende Auslastung. Im Jahr 2020 wurde schließlich ein historisch gutes Ergebnis erzielt.

Auch für unseren Club war 2020 ein phantastisches Jahr, denn wir hatten nur 11 Austritte und 71 Neumitglieder, also einen Netto-Zuwachs von 60 Mitgliedern. Das wird in Hamburg vermutlich ein Rekordwert sein - hier stieg die Mitgliederzahl um 585 Personen bei 85 Vereinen, also im Durchschnitt um rund 7 Mitglieder pro Club.

Im vorigen Kapitel wurde bereits die rückläufige Entwicklung der DTB- und BSV-Mitgliederzahlen beschrieben. Unerwähnt blieb die interessante Tatsache, dass sich auf DTB-Ebene in den letzten zehn Jahren eine Abnabelung der beiden Landesverbände Berlin-Brandenburg und Hamburg beobachten lässt. Während bundesweit von 2010 bis 2020 die Zahl der Mitglieder um rund 200.000 sank, stieg sie in Berlin-Brandenburg mit einem Plus von rund 1.780 Mitgliedern und in Hamburg mit einem Plus von rund 1.240 Mitgliedern.

2021 ist ein wichtiges Jahr, in dem die Tennisbegeisterten des Sportpark Wendenstraße klären, wohin es in den kommenden Jahren gehen wird.

Die Stadt Hamburg will in 2021 das Ergebnis seiner Entwurfsplanung vorlegen: „Es wird angestrebt in 2021 das Ergebnis der Entwurfsplanung für den Park am Hochwasserbassin inklusive der Haushaltsunterlage-Bau vorlegen zu können, um die erforderlichen Investitionsmittel für die Realisierung des Parks am Hochwasserbassin für die Haushaltsjahre 2023 und folgende anmelden zu können. Es ist geplant mit der Realisierung des Parks am Hochwasserbassin in 2023 zu beginnen."

(Quelle: Senatsmitteilung vom 04.02.2020, Seite 4)

Wie oben bereits mitgeteilt, wird 2024 das Startjahr für die Umsetzung des Projektes in unserem Teilabschnitt sein.