Personal Improvement Chart

Ende der 1980er veröffentlichte William R. Jacobson zwei Artikel im USPTR magazine The Tennis Pro, dem USPTA magazine Addvantage und dem Tennis magazine. Der wissenschaftliche Beirat des DTB fand die beiden Artikel so bedeutsam, dass sie im Sammelband zum 4. Symposium des Jahres 1989 im englischen Original abgedruckt wurden.

In dem Artikel

Strategic and tactical choices in tennis

führte Bill die aggressive margin und die win error ratio ein.

"We use data (I) to identify strengths and weakness; (2) compare a player’s stroke and strategy effectiveness from one match to the next; and (3) to compare one player’s stroke effectiveness with other players. For comparisons, we use percentages and win error ratio’s.”

Die ratio erklärte Bill kurz und hinreichend mit: „The ratio of the number of winners per error. Errors include forced and unforced.“

Die ratio ermittelte er für die Vorhand und für die Rückhand. Dabei betrachtete er vier Schlagarten: Backcourt, Passing Shot, Approach und Volley. Damit hatte er die vier wesentlichen Rally-Schläge des Tennis und insbesondere der damals üblichen Spielweise des Serve and Volley erfasst.

In dem anderen Artikel

A fresh approach to player development

führte Bill den Personal Improvement Chart ein.

Bill beschäftigte die Frage, womit sich die Entwicklung eines ambitionierten Tennisspielers am besten spiegeln ließe.

Normalerweise messen Spieler und Coaches die Entwicklung an einem Platz im Ranking. Die Aussagen von Rankings fand Jacobson allerdings zu grob; sie haben keine Aussagekraft für die Fähigkeiten eines Spielers.

Um die spielerischen Fähigkeiten abzubilden und einen Hinweis für mögliches Potential zu erhalten, suchte er nach etwas anderem. Unabhängig von der Beurteilung durch ein Rankingsystem misst der PIC die Qualität der Spielweise eines Tennisspielers über die Zeit. Es ging Jacobson weniger um Sieg und Niederlage von Spielern, sondern um die Frage, inwiefern ein Spieler die Kontrolle über das Matchgeschehen hat und inwiefern er oder sie Einfluss auf das Ende des Ballwechsels hat: „We have defined this statistic as a player’s overall „Aggressive Margin,“ or „Match Control.““

Die im vorigen Kapitel beschriebene Aggressive Margin ist eine Summen-Betrachtung für die Match Control. Für Bill war wichtig die zwei Komponenten, die beschreiben, inwiefern ein Spieler das Match kontrolliert, einzeln zu betrachten.

Erstens gibt es eine aggressive Komponente, die misst, inwiefern Punkte erzwungen wurden – es ist die Summe aus den Gewinnschlägen und den erzwungenen Punkten. Zweitens gibt es eine Fehler-Komponente, die die Anzahl der (leichten) Fehler enthält.

Der Clou ist, dass er zwei Betrachtungsweisen für die Beurteilung einer über Jahre dauernde Spielerentwicklung hat. Die eine Sicht misst getrennt voneinander sowohl den Anteil der aggressiven Komponente

Aggressive Komponente


als auch der Fehler-Komponente.

Fehler-Komponente


Die zweite Sicht setzt die beiden über die Zeit erhobenen Messwerte in ein Verhältnis zueinander, was er als Overall Match Contral bezeichnete.

Overall Match Control


Er betont, dass diese Entwicklung unabhängig vom Ausgang der Matches zu betrachten ist. Entwickeln sich die Werte positiv, passiert es ganz von allein, dass immer mehr Matches gewonnen werden. Und dies führt über verschiedene Spielergruppen hinweg zu folgender Betrachtungsweise:

OMC über die Jahre und Spielergruppen


Diese statistische Betrachtungsweise einer Spielerentwicklung ist für ihn nicht das Maß der Dinge, sondern eine objektive Ergänzung für die subjektive und oft intuitive Sicht des Trainers.

Der legendäre Stanford's Head Tennis Coach Dick Gould nutzte mit großem Interesse den von Bill Jacobson entwickelten CompuTennis CT120 - der Ariktel STANFORD'S EXPERIENCE WITH COMPUTENNIS von 1984 beschreibt das sehr anschaulich. Der Artikel beantwortet die Frage "How does a top college team use CompuTennis to it's best advantage?"


Die für dieses Kapitel verwendeten Grafiken und Zitate wie auch die für das Kapitel Aggressive Margin verwendeten Zitate stammen aus zwei Artikeln:

Jacobson, W. R. (1990a): A fresh approach to player development – measuring and monitoring a player’s improvement, in: Bornemann, R./ Weber, K./ Zein, B. (Red.) / Sportwiss. Beirat des DTB (Hg.): Taktik und Taktik-Training im Tennis. Mit Beiträgen vom 4. Symposium des Sportwissenschaftlichen Beirats des DTB 1989, Ahrensburg: Czwalina, 61-67

Jacobson, W. R. (1990b): Strategic and tactical choices in tennis, in: Bornemann, R./ Weber, K./ Zein, B. (Red.) / Sportwiss. Beirat des DTB (Hg.): Taktik und Taktik-Training im Tennis. Mit Beiträgen vom 4. Symposium des Sportwissenschaftlichen Beirats des DTB 1989, Ahrensburg: Czwalina, 68-75