Sascha Zverev

Die kritischen Betrachter der Tenniswelt lobten zwar seine Grand Slam Siege, fügten jedoch gleich ein "aber" hinzu: aber er hat ja nicht gegen Alcaraz und Sinner spielen müssen. Kurzum: die Titel zählen nicht so richtig.

Diese Nörgelei hat zwar einen sachlich korrekten Kern, doch kann man diesen Nörglern ebenfalls ein "aber" entgegnen: aber das ist zu kurz gedacht, denn Zverevs Leistung ist in einem größeren Zusammenhang zu beurteilen.

Der Entwicklungsprozess

Zverev startete in 2013 auf der Profi-Tour, erreichte zwei Jahre später die Top 100, holte in 2016 seinen ersten Turniersieg und stieg in die Top 30 auf. Ein Jahr später folgten zwei Masters-Titel, in 2018 ein dritter Master-Titel und ein Sieg bei den ATP-Finals. Drei Jahre später holte er erstmals als deutscher Herr die Goldmedaille bei Olympia (1988 gelang dies Steffi Graf) und siegte erneut bei den ATP-Finals. Im Jahr darauf folgte im Februar bei einem Turnier in Acapulco ein Wutausbruch mit Folgen (achtwöchige Sperre plus hohe Geldstrafe) und ein Verletzungsschock bei den French Open gegen Nadal. Nachdem er Alcaraz geschlagen hatte, knickte er im Halbfinale gegen Nadal beim Spielstand von 6:7, 6:6 mit dem rechten Fuß um, dreifacher Bänderriss.

Es folgte in 2022 eine Genesungspause.

In 2023 erreichte er bei den Fench Open erneut das Halbfinale, musste sich aber Casper Ruud geschlagen geben. Im Juli gewann er dann das Turnier in Hamburg (der letzte deutsche Sieger war 1993 Michael Stich). In 2024 folgen zwei Masters-Siege sowie das Finale bei den French Open, wo er nach fünf Sätzen gegen Alcaraz unterlag - aber: er hatte in der ersten Runde Nadal glatt in drei Sätzen geschlagen. Am Ende des Jahres war er auf dem zweiten Weltranglistenplatz. Das Jahr 2025 beginnt er mit einer Final-Teilnahme bei den Australien Open, wo er gegen Sinner in drei Sätzen verlor. Das Jahr beendet er als Dritter der Weltrangliste.

2026 kam dann der Durchbruch - endlich gewinnt er seinen ersten Grand Slam Titel bei den French Open, steht im Wimbledon-Finale und holt sich bei den US Open den zweiten Grand Slam Titel. Im Oktober steht fest, dass er noch in diesem Jahr Weltranglisten-Erster sein wird - als zweiter Deutscher nach Boris Becker. Doch er wird der erste Deutsche sein, der auch am Jahresende die Weltrangliste anführen wird.

Im Oktober 2026 hat er mehr als 10.000 Punkte im ATP-Ranking. Das haben bislang lediglich sieben Spieler geschafft: Djokovic, Federer, Murray, Nadal, Medwedew, Sinner und Alcaraz.

Er hat es sich hart erarbeitet

Die Nörgler sagen jetzt, das konnte ihm nur gelingen, weil Alcaraz und Sinner verletzt waren/sind. Da mag etwas dran sein, doch zeigt der geschilderte Entwicklungsweg und die harte Arbeit, die er in sein Training und die Turniere steckt

Zahl der gespielten Matches pro Jahr


sowie seine verbesserte Aufschlagstärke

Verschiedene Aufschlagparameter


dass er in der Lage ist, gegen Alcaraz und Sinner zu gewinnen. Das kommende Jahr wird die Bewährungsprobe.

 


In Analogie zum Rennsport kann man sagen, Zverev hatte nach seiner Verletzung in 2022 einen Boxenstopp eingelegt und ist danach wieder gut ins Rennen gekommen. Alcaraz und Sinner folgten ihm in 2026 mit ihrem Boxenstopp - in 2027 wird sich zeigen, wie gut sie wieder im Rennen sind.